
Es war einmal eine Königstochter, die spielte am liebsten mit ihrer goldenen Kugel. Jeden Abend warf sie sie hoch in die Luft und fing sie wieder — bis die Kugel eines Tages danebenging, über den Brunnenrand rollte und platsch! im tiefen Wasser versank.
Die Prinzessin setzte sich an den Brunnen und weinte. Da sagte eine Stimme: „Warum weinst du, Königstochter?“ Ein Frosch streckte seinen Kopf aus dem Wasser. „Meine goldene Kugel ist mir in den Brunnen gefallen“, schluchzte sie.
„Ich hole sie dir“, sagte der Frosch, „wenn du mich dafür zu deinem Freund machst. Ich möchte an deinem Tischlein essen und in deinem Bettlein schlafen.“ Die Prinzessin dachte: „Was ein Frosch so alles redet!“ und rief schnell: „Ja, ja, versprochen!“
Der Frosch tauchte hinab und brachte die Kugel herauf. Aber die Prinzessin lief einfach davon! Am nächsten Abend, als sie beim Essen saß, klopfte es an der Tür: plitsch, platsch, plitsch, platsch. „Königstochter, mach mir auf — weißt du nicht mehr, was du versprochen hast?“
Der König hörte alles und sagte ruhig: „Was du versprochen hast, das musst du auch halten, mein Kind.“ Da öffnete die Prinzessin die Tür. Der Frosch aß von ihrem Tellerchen, und sie merkte: So schlimm war das gar nicht. Er erzählte sogar lustige Geschichten vom Brunnengrund.

Und als der Frosch am Abend müde auf ihrem Kissen saß und sie ihm zum Gute-Nacht-Sagen einen kleinen Kuss gab — da stand auf einmal kein Frosch mehr da, sondern ein junger Prinz mit freundlichen Augen. Ein Zauber war von ihm abgefallen, weil endlich jemand sein Versprechen gehalten hatte.
Die beiden wurden die besten Freunde und spielten fortan jeden Tag zusammen mit der goldenen Kugel — und diesmal fiel sie nie wieder in den Brunnen.


