Es war einmal ein Prinz, der wollte eine echte Prinzessin zur Freundin. Aber woran erkennt man eine echte Prinzessin? Das wusste niemand so genau. Der Prinz suchte in der ganzen Welt und kam traurig wieder nach Hause.

Eines Abends zog ein schreckliches Unwetter auf. Es blitzte und donnerte, und der Regen rauschte in Strömen. Da klopfte es ans Schlosstor. Draußen stand ein Mädchen, klitschnass vom Regen — das Wasser lief ihm aus den Haaren und aus den Schuhen. „Ich bin eine Prinzessin“, sagte es.
„Eine Prinzessin? Bei diesem Wetter?“, dachte die alte Königin. „Das werden wir gleich sehen.“ Heimlich ging sie in die Schlafkammer und legte eine einzige kleine Erbse auf das Bettgestell. Darauf stapelte sie zwanzig Matratzen und obendrauf noch zwanzig Federbetten.

Das Mädchen kletterte die hohe Bettleiter hinauf und legte sich schlafen. Am Morgen fragte die Königin freundlich: „Na, wie hast du geschlafen?“ — „Ach“, seufzte das Mädchen, „fast gar nicht! Irgendetwas Hartes lag in meinem Bett. Ich bin ganz grün und blau davon.“
Da wussten alle: Das war eine echte Prinzessin! Denn nur eine echte Prinzessin spürt eine Erbse durch zwanzig Matratzen und zwanzig Federbetten hindurch. So empfindsam kann sonst niemand sein.
Der Prinz und die Prinzessin wurden beste Freunde. Und die Erbse? Die kam ins Museum, in eine kleine Vitrine mit einem Samtkissen. Vielleicht liegt sie da noch heute — wenn niemand sie gegessen hat.


